Elektro-Sound.

Ein E-Motorrad namens E-LisaBad mischt die Customszene auf.

Wie sieht der BMW C evolution von innen aus? Krautmotors-Kopf Rolf Reick will es genau wissen. Er zerlegt den Elektro-Maxi-Scooter und baut daraus den Dragster E-LisaBad. Damit will der Customizer auf die Achtelmeile. Zwar nicht heimlich, aber sehr wohl still und leise.

Da schuf er ein E-Custombike und taufte es auf den Namen E-LisaBad. „Meine Oma hieß Elisabeth“, sagt Rolf Reick. „Ich finde, das passt – auch wenn meine Oma weder so schnell noch so schwer war.“ Er lacht. Eigentlich lacht er die meiste Zeit, während er von E-LisaBads Entstehungsgeschichte erzählt. Die Geschichte beginnt im Mai 2017. Das Donor-Bike BMW C evolution trifft in der Krautmotors-Werkstatt in Heidelberg ein. Es ist das erste Elektromotorrad in den heiligen Hallen der Customschmiede.

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Seit Rolf den C evolution Probe gefahren hatte, reizte ihn der Umbau des Elektro-Scooters. „Jeder Designer will doch immer auch ein Revolutionär sein. Er will ausbrechen, anecken oder aufmerksam machen. Und ich finde, dass dieses Projekt all dies tut. Es ist ein Opener für viele weitere Ideen.“ Rolf will nicht nur ein schickes Custombike bauen. Er will damit auf die Achtelmeile. Er will herausfinden, was er mit dem Elektro-Dragster gegen die Verbrenner dieser Welt ausrichten kann.

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Einfach drauflos schweißen

Bis es soweit ist, steht Mr. Krautmotors viel Arbeit ins Haus. Bei BMW Motorrad besucht Rolf eine Schulung, die ihn in Sachen Elektro fit macht und ihm zudem klarmacht, von was er besser die Finger lassen sollte. Schließlich ist High Voltage absolutes Neuland für den erfahrenen Customizer. Danach geht es auch schon direkt los mit dem Umbauen – oder besser gesagt mit dem Zerlegen. Während er als Produktdesigner meist Skizzen anfertigt und ein Bike in 3-D am Computer baut, hat er bei diesem Projekt die Customizer-Brille auf. „Ich arbeite aus dem Bauch heraus. Es gibt ein paar nicht besonders ansehnliche Skizzen, der Rest ist künstlerische Freiheit. Ich schweiße einfach drauflos. Ich will, dass das Bike während des Prozesses entsteht und nicht schon vorher klar ist, wo die Reise hingeht. Was für ein Spaß!“, sagt er – und lacht wieder.

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Rolf braucht für seine Arbeit vor allem eins: gute Atmosphäre. Seine Werkstatt gleicht einem Wohnzimmer. Die Sessel und Stühle sind echte Designklassiker. Er hat sie wie auch die Werkbank weiß gestrichen. Im Kontrast dazu die Wände schwarz und die Schränke gestreift. „Das war aus einer Laune heraus. Wenn es mir in einem halben Jahr nicht mehr gefällt, streiche ich alles um.“ In seinem „Wohnzimmer“ sitzt Rolf nicht nur zum Arbeiten, sondern auch zum Musikhören. Er ist Bassist – weshalb er den Mix aus Motorrad und Musik wie am Pure&Crafted Festival „wahnsinnig toll“ findet. Genau dort wird er das Bike auch später präsentieren. Am Samstagabend wird es vor dem Interpol-Act auf der Main Stage zum ersten Mal dem Publikum gezeigt. Bis dahin muss allerdings noch einiges passieren.  

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Jeder Designer will doch immer auch ein Revolutionär sein.

Rolf Reick

Praxistest für die Achtelmeile

Was vor allem passieren muss, ehe er E-LisaBad den Leuten zeigt: ein Praxistext. Schließlich geht es hier nicht nur um Optik. Was Rolf baut, muss auch fahrbar sein und einen Zweck erfüllen. Für den Test braucht Rolf weder Verkleidung noch Sitzbank. Ehe es zum Testen auf eine abgelegene Strecke außerhalb von Mannheim geht, legt Rolf den C evolution tiefer. Hinten kommt ein Slick drauf und der Stoßdämpfer fliegt raus. Rolf ist bekannt für seine Starrrahmen-Bikes. Auch das Sprintrennen, das er mit E-LisaBad fährt, wird ausnahmslos für Starrrahmen sein. Dann steht er am Start seiner Teststrecke. Erstmal Burnout. Eingenebelt in eine Gummiwolke sitzt Rolf da – und lacht.

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Da willst Du brumm brumm machen, und Du hörst natürlich gar nichts.

Rolf Reick

Zum Start verstaut er seine langen Beine auf den neu angebrachten Fußrasten. Die sind so weit hinten, dass er draufsitzt wie ein Jockey auf einem Rennpferd. Und tatsächlich ist das Gespann so etwas wie ein neuer Rivale auf der Rennbahn. Der C evolution zieht ab wie eine Rakete und hängt auf den ersten Metern den Nebenbuhler ab. Elektro eben – Beschleunigung pur. Allerdings, gewöhnungsbedürftig ist das für Rolf schon. „Du schaust zu Deinem Gegner rüber, willst brumm brumm machen, und es passiert natürlich gar nichts.“ Klar will er mit seiner E-LisaBad ernstgenommen werden. Das Thema ist ja irgendwo auch ein ernstes. „Aber ein bisschen Blödsinn muss sein. Das ist ein Gute-Laune-Fahrzeug“, sagt Rolf. „Ich habe es schon liebgewonnen.“

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Zukunftsfahrzeug im Retrolook

Die nächsten Wochen fliegen dahin und Rolf tüftelt an der Verkleidung. Oldschool soll sie sein, aber mit neuen, modernen Strukturen. Ein Zukunftsfahrzeug im Retrolook. Dann soll da auch noch Rolfs Stil durchkommen: grob, roh und unfertig. Ein Reick-Bike eben. „Ich bin kein Motorrad-Putzer. Meine Sachen sehen immer irgendwie alt und ungehobelt aus. So ein bisschen rotzig.“ Dann ist es soweit. Die große Premiere am Pure&Crafted Festival. Kurz bevor Interpol die Main Stage rockt, lenkt Rolf den Dragster Richtung Bühne. Die steile Rampe führt direkt ins Rampenlicht. Wie vom anderen Stern glänzt E-LisaBad – das Pure&Crafted Signature Bike 2017 – in der Abendsonne.

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Die kantige, dunkle Verkleidung des Elektro-Custombikes erinnert an Science-Fiction-Filme der Sechziger. „Beim Entwurf habe ich mich von den Landschaften und der Deko in Raumschiff Enterprise inspirieren lassen“, erzählt Rolf. „Außerdem besaß meine Oma ein Polygon-Kaffeeservice aus den Zwanzigerjahren, welches auch in das Design reingespielt hat.“ Bewusst hat Rolf die Zukunftstechnologie des C evolution in eine Hülle aus der Vergangenheit gekleidet. „Die Leute können mehr mit etwas völlig Neuem anfangen, wenn es bekannte, gelernte Elemente hat.“ Nach der Premiere sitzt Rolf noch lange am Lagerfeuer, vertieft in eben jene Diskussionen, die er mit seinem Custombuild auslösen wollte.

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Elektro auf dem Dragstrip

Komisch kommt er sich nicht vor, als er sein futuristisches Batmobil zwischen Krads durchlenkt, deren Komponenten teilweise noch aus den Anfangszeiten der Motorradgeschichte stammen. Längst hat Rolf sich an seine E-LisaBad gewöhnt. Jetzt muss sie sich beweisen. Glemseck. Achtelmeile. Sie ist die Erste ihrer Art auf dem Dragstrip. Still und leise schleicht sich Rolf an den Start. StarrWars Sprint, das härteste Rennen im Universum. Maßlos getunte Dragster mit langen Pleueln und fehlendem Stoßdämpfer messen sich auf der ehemaligen Start-Ziel-Geraden der Solitude-Rennstrecke in der Nähe von Stuttgart. Kurven fahren kann keines der Bikes mehr so wirklich. Alles ist kompromisslos ausgerichtet auf geradeaus und Feuer frei. Da nimmt sich E-LisaBad nicht aus.  

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Auf der anderen Seite der Strohballen, die die Rivalen voneinander trennen, steht einer der „gaskranken Schrauber des StarrWars-Rennens“, wie Rolf sie nennt. Gleichzeitig setzen sie zum Burnout an. Drüben grollt es, hüben quietscht es. Ringsherum Gelächter. Rolf lacht mit. Dann gibt er Gas. Fast bis zum Ende der Achtelmeile sind die Gegner auf Augenhöhe. Hinten raus verliert Rolf. „Scooter-Technologie“, sagt er schulterzuckend, „bei 120 ist Schluss“. E-LisaBad zieht von Dannen und hinterlässt doch ihre Duftmarke. Es riecht nicht mehr nur nach Vergangenheit auf der Solitude, sondern nach einer gehörigen Portion Zukunft. „Elektromobilität ist nicht mehr wegzudenken“, sagt Rolf. „Bald gehst Du zum Händler und sagst, Du willst einen Café Racer. Und er wird Dich fragen: elektrisch oder Verbrenner?“  

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