Die Kurve gekratzt.

Der Sänger Wincent Weiss atmet Rennluft auf dem Rheinring.

Das Herz von Sänger Wincent Weiss schlägt nicht nur für die Musik. Er hört auch gern den Motor seiner BMW S 1000 RR. Im Elsass schnupperte er auf dem Anneau du Rhin, dem Rheinring, erstmals Rennluft. Ein Treffen nach seinem Training.

Motoren heulen auf, Bikes rasen über den Rheinring. Rennatmosphäre liegt in der Luft. Bislang eine ungewohnte Kulisse für Wincent, denn üblicherweise steht der Sänger mit seiner Band auf der Bühne und blickt in die leuchtenden Augen seiner begeisterten Fans. Statt der Band lauscht er seinem Bike, statt auf der Bühne performt er auf dem Asphalt.

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Im Geschwindigkeitsrausch.

Im Geschwindigkeitsrausch.

Der Puls des jungen Motorradfahrers ist noch hoch, als er seinen ersten Trainingstag auf der Rennstrecke beendet. Das Adrenalin fließt durch seine Adern. „Ich bin noch voll im Geschwindigkeitsrausch, völlig begeistert. Die Beschleunigung auf der Doppel-R ist ein wahnsinniges Erlebnis.“ Unter abgesicherten Bedingungen und unter der Aufsicht von zertifizierten Instruktoren hat er sich im Laufe des Tages auf dem vier Kilometer langen Rundkurs eingefahren.    

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Vom Ehrgeiz gepackt.

Nachdem er sich mit dem Asphalt, der Strecke und dem Bike vertraut gemacht hatte, folgte der Adrenalinkick: das erste freie Fahren. „Da konnte ich so richtig Gas geben. Das ist ziemlich anstrengend, denn ich musste sehr konzentriert fahren.“ Konzentration erfordert auch die richtige Blicktechnik: Vorausschauen, weit in die Kurve blicken und den Scheitelpunkt suchen, um eine saubere Linie zu fahren. Vom Ehrgeiz gepackt, legte sich der Youngster von Runde zu Runde immer stärker in die Kurve und erhöhte das Tempo. 

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ES GEHT VIEL, UND ES GIBT GRENZEN

Höhepunkt für den Sänger: Erstmals probierte er unter Anleitung die für ihn neue Sitzposition Hanging-off aus. Der schnelle Wechsel von rechts nach links und umgekehrt in den Kurven forderte ihn heraus – kein Problem für den sportlichen, jungen Fahrer. „Ich bin überrascht, was in Sachen Schräglage möglich ist, mit dem Hanging-off lassen sich die Kurven geschmeidiger und bequemer fahren. Es ist schon erstaunlich, dass das Bike nicht wegrutscht.“ Dank der Fahrerassistenzsysteme fühlt sich Wincent total sicher. Trotzdem ist er zumindest an ein Limit in Sachen Schräglage gekommen: „Die Fußraste war schon auf dem Boden.“    

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Brenzlige Situationen gehören beim Training auf der Rennstrecke dazu. Aus Fehlern lernen lautet die Devise. „Manchmal bin ich mit zu hohem Tempo in die Kurve gefahren, dann hat es mich weit rausgetragen.“ Bremsen machte es nicht besser, verstärkte nur den Effekt. Ein anderer Knackpunkt: Einmal beschleunigte er und schaltete dabei versehentlich herunter. Im Nachhinein kann er darüber lächeln. „Da ist das Vorderrad hochgegangen, ich habe ungewollt einen Wheelie gemacht.“

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Sauber und sicher fahren.

Es ist wie auch im Straßenverkehr – auf der Rennstrecke gelten „Spielregeln“. Vorausschauendes und respektvolles Fahren ist angesagt. Wer mit seinem Bike den Rundkurs befährt, muss auf die anderen Teilnehmer – insbesondere auf den Vordermann – achten. Es geht nicht allein darum, den Gashahn weit aufzudrehen, die Leistungsgrenzen der Maschine auszutesten und das Knie auf dem Boden schleifen zu lassen. Wincent soll die Kurven optimal anfahren, um dann zum richtigen Zeitpunkt aus ihr heraus zu beschleunigen und immer besser die Linie zu finden. Es geht um einen sauberen Fahrstil, um im Alltag sicher unterwegs zu sein, Vertrauen in die Reifen und die Maschine zu bekommen. „Tatsächlich war es für mich das Schwierigste, die Ideallinie zu fahren.“    

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Das Thema Rennstrecke ist aus Wincents Sicht ausbaufähig – sofern es seine Zeit zulässt, könnte es ein neues Hobby von ihm werden. Jedenfalls reißt er im Straßenverkehr schon viele Kilometer runter, fährt mit der Doppel-R zu seinen Auftritten. Dann legt er manchmal Strecken von 300, 400 und teilweise von 700 Kilometern zurück. Die Band ist mit dem Bus unterwegs. Wincent fährt vor oder hinterher. Meistens vor.    

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MEHR BIKE, MEHR BÜHNE

Wincent kommt aus einer Motorradfamilie: Mutter, Opa und Onkel – sie sind alle Biker. Bei Ausfahrten war er häufig bei seinem Opa als Sozius mit von der Partie. Mit Onkel und Cousins wühlte er sich auf Motocross-Maschinen durchs Gelände. Denkbar, dass er demnächst mit seinen Onkeln auf der Rennstrecke den Ton angibt. Jedenfalls möchte er einen frischen Schwung an Fahrfreude in die Familie bringen und die ein oder andere Ausfahrt mit ihnen machen. Als Ziel sind beispielsweise die kommenden BMW Motorrad Days in Garmisch-Partenkirchen gesetzt. 

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Riechen, schmecken, sehen, hören.

Riechen, schmecken, sehen, hören.

In seinem Freundeskreis ist Wincent bislang der einzige Motorradfahrer. Einige seiner Freunde wird er motivieren, den Führerschein zu machen. „Es kann ja auch ziemlich öde sein, alleine zu fahren“, findet er. Viele haben Lust aufs Motorradfahren, befinden sich aber in der Ausbildung und können sich noch keine Maschine leisten. Wincent weiß sehr wohl, dass es jungen Leuten Spaß macht, durch die Gegend zu fahren und den Kopf freizubekommen; das ist nicht nur ein Thema für Ältere und Erwachsene. „Für mich ist Motorradfahren wie ein kurzer Urlaub: aus dem stressigen Alltag rauskommen und Fahrspaß haben. Biken ist ein bisschen riechen, schmecken, sehen, hören.“ Den jungen Fahrern kann er nur empfehlen, ein Sicherheitstraining zu machen, nichts zu überstürzen und sicheres Fahren zu üben – immer mit Bedacht und Rücksicht auf andere Verkehrsteilnehmer. „Es passieren viele Unfälle, weil sich junge Fahrer zu viel zumuten.“    

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Der schönste Ort.

Der schönste Ort.

An das Geräusch, wenn die Drehzahl hochschlägt, Wincent vom Gas geht und der Motor noch etwas nachblubbert – daran kann er sich nicht satthören. „Das ist wie Musik in meinen Ohren.“ Er genießt die Zeiten auf der Bühne und beim Motorradfahren: Zeiten voller Adrenalin. Allerdings: „Auf der Bühne fühle ich mich am wohlsten. Das ist für mich als Sänger der schönste Ort, den ich mir vorstellen kann. Ich hätte aber nicht gedacht, dass ich mich auf dem Zweirad und auf dem Asphalt so wohlfühlen würde.“    

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Ein rasanter Song.

Ein rasanter Song.

Den eingeschlagenen Weg als Sänger wird er konsequent weitergehen. Wie beim Motorradfahren will er sich auch musikalisch steigern – etwa das zweite Album aufnehmen, weiterhin auf Tour gehen und live spielen. „Vieles passiert gerade schneller als gedacht.“ So ist es auch mit seiner Karriere. 1993 in Schleswig-Holstein geboren und aufgewachsen, machte er sein Wirtschaftsabitur, zog nach München und begann Songs zu schreiben. Um sich über Wasser zu halten, heuerte er als Aushilfe in einem Restaurant an und bewies Führungsstärke: Im Alter von 22 wurde er Filialleiter. Das Singen war und ist aber Plan A. Mit dem Plattenvertrag ging es dann richtig los. „Ich nehme das Leben im Augenblick so, wie es kommt und wie es für mich passt.“ Er ist auf Erfolgskurs. Ob er einen Song zum Motorradfahren schreiben würde? „Das wäre wohl ein ziemlich rasanter Song.“ Eine Songidee könnte ihm aber durchaus beim Motorradfahren in den Sinn kommen. Mal sehen.

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