Madame Freestyler.

Sarah Lezito lässt ihr Motorrad tanzen.

Sarah Lezito gilt als beste Stuntwoman der Welt. Sie doubelte Scarlett Johansson in den Motorradszenen von The Avengers 2 und ließ bei der Stuntriding Weltmeisterschaft zahlreiche Jungs hinter sich. Jetzt ist die Französin Teil der BMW Motorrad Community.

Freestyle heißt für mich, das zu tun, worauf ich Lust habe. Aufs Motorrad zu steigen und Spaß zu haben. Freestyle ist mein Lifestyle.

Sarah Lezito

Sarah Lezitos Arbeitsweg ist kurz. Entlang der Rue de Champagne fährt die 24-Jährige durch Épernay. Vorbei an Gourmet-Restaurants und edlen Weinkellereien. Moët & Chandon und zahlreiche andere Nobelhäuser haben ihren Hauptsitz hier in der Champagne, der Heimat französischer Luxus-Tropfen. Kurze Zeit später gelangt Sarah auf einen leeren Parkplatz. Es ist ihr Arbeitsplatz. Die Arbeitszeit ist flexibel, Kollegen hat sie keine. Anstatt zu parken, gibt Sarah Gas.

Einmal die gesamte Länge vor, auf dem Hinterrad zurück. Auf dem Vorderrad vor, Stoppie, One-Eighty, driftend zurück. Wieder in den Wheelie, Sprung auf die Sitzbank, Beine über den Lenker. Zehn Minuten lang fährt sie etwaige Zuschauer schwindlig, und das ist erst die Aufwärmphase. Das Motorrad tanzt unter Sarah im Takt, wie ein Pferd. Nur, dass ihr Ross 159 Pferdestärken mehr hat. Jeden Tag kommt sie hierher, auf „ihren“ Parkplatz. Die Polizisten wissen Bescheid, die Anwohner auch. Hier entstehen die Tricks der besten Stuntwoman der Welt.

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Wheelies im Weinberg

Sarah Lezitos Vater sah sein Quad nicht allzu oft. Denn die 13-Jährige übte mit ihren Kumpels Wheelies.

Lediglich sein eigenes Umland kann das französische Städtchen Épernay noch an Romantik überbieten. Weinstöcke schmiegen sich in die sanften Hügel, umrahmen die kleinen Dörfer mit ihren romanischen Kirchtürmen. In einem dieser Dörfer wächst Sarah Vignot als Tochter eines Weinbauers auf. Eine ihrer beiden großen Schwestern nennt sie immer Zito, woraus ihr Spitzname le Zito und später ihr Künstlername Lezito wird. Für die Arbeit im Weinberg hat der Vater ein Quad. Das sieht er allerdings nicht allzu oft. Denn die 13-jährige Sarah ist damit unterwegs, trifft sich mit Kumpels und übt Wheelies. „Ich fuhr damit fast jeden Tag und trainierte wie verrückt. Das Quad blieb natürlich nicht ganz heil und ich erfand zuhause Ausreden“, erinnert sich Sarah. „Als ich irgendwann die Wahrheit sagte, wussten meine Eltern nicht so recht, was sie davon halten sollten. Aber mit der Zeit haben sie sich wohl einfach daran gewöhnt.“ Sie lacht.

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Zwei Jahre lang studiert Sarah Lezito Weinanbau. Dann kommen die Stuntriding-Angebote und es beginnt ein neues Kapitel in ihrem Leben.

Das Trick-Sortiment mit dem Quad ist bald erschöpft und Sarah hat immer noch nicht genug. Ihr Ehrgeiz ist weitaus größer als der ihrer Freunde. Mit 16 bekommt sie eine 125er. Mit dem Bike ist viel mehr möglich und Sarah lernt schnell dazu. Das Dorf ist längst zu klein. Jetzt trifft sie sich mit Gleichgesinnten aus ganz Frankreich, trainiert mit ihnen an den Wochenenden. Unter der Woche geht sie zur Schule, später studiert sie zwei Jahre lang Weinanbau. Es macht ihr Spaß und sie spielt mit dem Gedanken, in die Fußstapfen ihres Vaters zu treten. Dann kommen die Stuntriding-Angebote und das Motorradfahren wird zur Profession. Für Sarah beginnt ein völlig neues Kapitel. „Meine Freunde und ich hätten nie erwartet, dass das einmal mein Beruf wird. Stuntriding ist für mich immer noch Fun – nur auf einem anderen Level.“

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Street Dance

Wheelies, Stoppies, Burnouts: Sarah Lezito hat ihre Tricks perfektioniert.

Der Beruf des Stuntriders ist an und für sich schon ungewöhnlich. Noch ungewöhnlicher ist es, wenn eine Frau diese Profession ausübt. „Stuntwoman? Sieht man Dich dann im Kino?“, erkundigen sich die Leute oft. Sie sind neugierig und haben viele Fragen. Sarah beantwortet sie gerne. Sie erzählt von ihren Einsätzen als Double in Filmsequenzen, von den Contests, den Meisterschaften und Shows. Eine eigene Kategorie für Mädchen gibt es nicht. Sarah tritt hauptsächlich gegen Jungs an. „Männer haben schon mehr Power und auch einen starken Ausdruck beim Fahren. Ich habe daher meinen eigenen Style definiert und lege Wert auf Balance und Geschmeidigkeit.“ So sieht ihre Show aus wie ein akrobatischer Tanz; anmutig, kraftvoll und entschlossen zugleich. Ein Tanz auf Asphalt, auf der Straße – Street Dance. Mit Wheelies, Stoppies, Drifts, Burnouts und Akrobatik.

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Sarahs Stil sieht aus wie ein akrobatischer Tanz; anmutig, kraftvoll und entschlossen zugleich. Ein Tanz auf Asphalt, auf der Straße – Street Dance.

„Ich versuche, meinen Stil durchzuziehen und die Tricks sauber zu machen. Nicht zu schnell, sondern korrekt.“ Zu viel Risiko will sie nicht eingehen. Schritt für Schritt zu wachsen und besser zu werden hält sie für die beständigere Variante und den Schlüssel zum Erfolg – zumal sie bereits eine ersthafte Verletzung am Knie hinter sich hat. „Im Oktober 2015 riss bei einem Crash das vordere Kreuzband. Zum Arzt ging ich erst vier Monate später. Weil ich die Saison 2016 nicht verpassen wollte, verschoben wir die OP auf Herbst. Das war ein Fehler, denn ich verlor durch das instabile Knie das Vertrauen in meinen Körper und irgendwie auch die Saison.“ Sarah trainiert hart und kämpft sich zurück. 2017 will sie mit der S 1000 R durchstarten.

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Ich musste hart an mir arbeiten, um die Nervosität in den Griff zu bekommen und gleichzeitig den Leuten gegenüber offener zu werden.

Sarah Lezito

Shy oder Show

Am Anfang ihrer Karriere hat Sarah Lezito vor allem mit einem zu kämpfen: Lampenfieber.

Sind Stunts auf dem Motorrad schwer? Ja. Aber Sarah hat damit keine Schwierigkeiten. Ihre Leidenschaft scheint unendlich. Aufgeben gibt es nicht. Probleme bereitet ihr dagegen etwas ganz anderes: das Rampenlicht. „Ich war schon immer schüchtern und nicht besonders redselig.“ Gerade weil sie immer eine gute Show abliefern und alles perfekt machen will, ist der Druck anfangs enorm. „Ich war gestresst, weil alle Augen auf mich gerichtet waren. Vom Stress bekam ich Probleme mit den Armen. Ich war nach zwei Minuten komplett geblockt“, erinnert sie sich. Das Lampenfieber beeinflusst sie so stark, dass ihre Freunde sie kaum wiedererkennen. „Ich musste hart an mir arbeiten, um die Nervosität in den Griff zu bekommen und gleichzeitig den Leuten gegenüber offener zu werden. Als Mädchen vom Lande fiel mir das schwer.“

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Für Schüchternheit ist kein Platz mehr. Sarah Lezito hat sich für Show entschieden.

2013 ist Sarah das erste Mal bei der Stuntriding Weltmeisterschaft in Polen dabei. Zwei Jahre später erzielt sie dort ihren größten Erfolg. Sie ist das einzige Mädchen unter den 75 Fahrern und landet am Ende auf dem neunten Rang. „Das war unglaublich und fühlte sich an wie ein Sieg. Die Jungs, die besser abschnitten als ich, waren komplett verrückt! Ich werde niemals ihre Skills haben. Aber die Zuschauer behalten vermutlich das Mädchen in Erinnerung – selbst wenn sie sich nicht an meinen Namen erinnern.“ Doch es gibt genügend Leute, die ihren Namen in Erinnerung behalten haben: Mit mehr als 2,5 Millionen Fans auf Facebook ist Sarah Lezito fast berühmter als ihr Sport selbst. Follower versorgt sie mit Einblicken in ihren Trainingsalltag: Fotos und Videos, die sie zusammen mit Freunden produziert. Für Schüchternheit ist kein Platz mehr. Sarah hat sich für Show entschieden.

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Auf der Weltbühne

Als Stunt-Double für Scarlett Johansson fuhr Sarah Lezito die Motorradszenen des Marvel-Blockbuster The Avengers 2.

Das Talent von Sarah Lezito spricht sich herum bis nach Hollywood. Sie wird für den Marvel-Blockbuster The Avengers 2 angefragt. Als Stunt-Double für Scarlett Johansson fährt sie die Motorradszenen des Films. „Es war mein erster Filmjob und dann gleich so ein großer. Darauf bin ich stolz“, sagt Sarah begeistert. „Es war ein Wahnsinnserlebnis. Am Set waren so viele talentierte Leute – Stuntmen für Kampfszenen, fürs Reiten oder Schwimmen.“ 2016 pilotiert sie im Thriller Inferno eine BMW R 1200 RT. Mit den Jobs als Stunt-Double, Contests, Shows und Shootings ist Sarah mittlerweile in der ganzen Welt unterwegs. Oft ist sie nur ein paar Tage zuhause, ehe sie wieder losmuss. „Manchmal vermisse ich das ruhige Leben daheim. Aber sobald ich zu lange daheim bin, vermisse ich das Reisen.“

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„Auf dem Bike sind wir Stuntrider ernst und konzentriert, aber der Rest ist Fun – und Freestyle“, sagt Sarah Lezito.

Wenn Sarah dann aber mal eine Pause hat, genießt sie die Zeit in ihrer Heimat. „Schlaf, gutes Essen und Outdoor-Sport sind mir wichtig. So kann ich mich am besten erholen. Ich habe viel über Ernährung gelernt und glaube, dass mich ein gesunder Lebensstil weiterbringt.“ Einen richtigen Trainingsplan hat Sarah nicht. „Ich stehe auf und schaue, wie ich mich fühle. Ich höre auf meinen Körper.“ Trotz aller Professionalität legt Sarah Wert darauf, dass weiterhin der Spaß im Mittelpunkt steht. „Im Gegensatz zu vielen anderen Sportarten gibt es beim Stuntriding noch keinen so starken Konkurrenzkampf. Wir Fahrer sind eher wie eine Familie. Auf dem Bike sind wir ernst und konzentriert, aber der Rest ist Fun – und Freestyle.“

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