Der Schwerkraft trotzen.

Weltpremiere: Motorradakrobaten im Original Motodrom erstmals auf vier BMW R 25 unterwegs.

Das Original Motodrom bietet mit Tradition und Stil eine atemberaubende Motorrad-Show. Bei den BMW Motorrad Days 2017 in Garmisch-Partenkirchen waren zum ersten Mal gleich vier R 25 am Start – mit einer eigens für das dreitägige Event einstudierten Nummer. Donald „Captain Donald“ Ganslmeier, Clemens „San Clemens“ Schöne, Jan „Flying Dutchman“ Laurens und Peter „The Viking“ Petersen zogen auf den alten Einzylindern gleichzeitig ihre Runden. Außerdem zeigten Jan und Donald an der ältesten Steilwand der Welt die ganze Bandbreite waghalsiger Synchronakrobatik.  

Im Motodrom knattert es laut. Die vier Einzylinder-Maschinen aus den 1950er Jahren laufen noch warm. Benzingeruch liegt in der Luft, während das Publikum am Rand des hölzernen Kessels in etwa sechs Metern Höhe gebannt auf die Steilwandakrobaten nach unten schaut. Was die vier Steilwandfahrer nun vorhaben, wird ein großes Spektakel, eine Weltpremiere. Erstmals wollen Donald, Jan, Clemens und Peter mit vier Motorrädern gleichzeitig durchs Motodrom fahren. Die Artisten starten ihre toprestaurierten R 25 unter ohrenbetäubendem Getöse, fahren zunächst hintereinander und finden ihr Tempo. Dann verteilen sie sich von unten nach oben auf der gesamten Breite des sechs Meter hohen Kessels, bis sie dicht an dicht, beinahe Arm an Arm über die „Todeswand“ rollen. In den Gesichtern der Fahrer gibt es keine Anzeichen von Anspannung, beinahe spielerisch gelingt den vier Teufelskerlen die atemberaubende Premiere. Die Besucher staunen, sind verblüfft und zollen ihre Begeisterung mit sehr viel Applaus.

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Nur mit Muskelkraft

Die Motorellos mit ihrer ältesten reisenden Steilwand der Welt fasziniert Zuschauer immer wieder aufs Neue. Donald Ganslmeier, auch als Don Strauß bekannt, hatte die Wand vor wenigen Jahren von seinem ehemaligen Chef Hugo Dabbert übernommen und managed sie. Der Kessel – zusammengebaut aus 18 Wandelementen, knapp zehn Meter im Durchmesser und sechs Meter hoch – war eines der letzten Module seiner 'Wall of Death', die sich noch im Originalzustand von 1928 befinden.  

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Steilwandfahren ist harte Arbeit. Gut zwei Tage dauert es, bis die sogenannte Sohle absolut gerade ausgelegt, Wandelemente aufgestellt und mit Drahtseilen verzurrt, das Zuschauerpodium sowie die Parade gelegt und das Zeltdach am 12 Meter hohen Zentral-Mast gehängt ist – fast 25 Tonnen Gewicht, die von den beiden Sattelschleppern und einem 7,5-Tonner runter und nach dem Engagement wieder aufgeladen werden möchten. Nur mit Muskelkraft, versteht sich.  

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Wenn Steilwandfahrer ins Dorf kamen, hieß es früher die Töchter besser nicht aufs Volksfest gehen zu lassen.

Donald Ganslmeier

Eine gehörige Portion Mut

„Wenn Steilwandfahrer ins Dorf kamen, hieß es früher die Töchter besser nicht aufs Volksfest gehen zu lassen“ – so wurde es jedenfalls Donald Ganslmeier überliefert. Ganslmeier setzte sich nach seinem Wehrdienst aufs Motorrad, fuhr nach England, lernte bei Ken Fox das Handwerk des Steilwandakrobaten. Seither hat er sich dem Schausteller-Leben verschrieben.

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Es gehört schon eine gehörige Portion Mut dazu, zunächst auf der schrägen Startrampe ein paar Runden zu balancieren, hochzuschalten und dann irgendwann mit der richtigen Geschwindigkeit und dem nötigen Schwung auf die senkrechte Fahrbahn zu wechseln. Es müssen mindestens 45 km/h erreicht sein, damit der Anpressdruck durch die Zentrifugalkräfte hoch genug ist, um dann das Motorrad samt Fahrer mit mehr als 3G an die Wand zu pressen.

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Eine Runde sollte zirka drei Sekunden dauern, so jedenfalls können sich die Fahranfänger auch ohne Tacho ein wenig orientieren. Die größten Schwierigkeiten seien dabei, die anfangs auftretenden Schwindelgefühle in den Griff zu bekommen oder wegen zu niedriger Geschwindigkeit von der Wand abzurutschen. „Es ist ein geiles Gefühl“, meint Clemens, „wenn sich nach vielen Trainingsfahrten endlich Sicherheit einstellt und man auf der holprigen Bahn seine Runden ziehen kann.“

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Die BMW fährt sich so leicht wie ein Moped.

Kara Santana

Mit neuen Fahrzeugen im Gepäck

Inzwischen ist das Original Motodrom nicht nur neu beplankt, sondern hat auch neue Fahrzeuge in den Fuhrpark bekommen. Neben mehreren V2-750ccm Indian Scout im Starrahmen aus den Jahren 1927-31, die wegen ihres niedrigen Schwerpunkts erste Wahl vieler Steilwandakrobaten ist, fahren Ganslmeier und seine Truppe nun auch mit vier BMW R25/0 auf der "Straße ohne Ende" entlang. Die 250ccm Einzylinder-Maschinen, Baujahr 1950/51, hat Ganslmeier aus Teilen und Resten eines Frankfurter BMW-Händlers nach seinen Vorgaben und mit dem Motto "so viel wie nötig" zusammenbauen lassen:  

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Ein Rahmen, zwei 19 Zoll große Räder, Original Tank, gefederter Sitz und 12 PS-Motor mit Bing-Vergaser. Der Auspuff ist lediglich ein verchromtes Rohr, Schutzbleche oder gar Scheinwerfer wären nur unnötiger Ballast. Alle Teile erhielten eine neue Lackschicht und der Tank sogar seine ursprüngliche weiße Handlinierung zurück. „Die 12 PS reichen völlig aus, aber das Fahrwerk müssen wir noch straffer machen, damit sie nicht so schwimmt“ sagt Clemens, gelernter Zimmermann und jüngster Fahrer der 'Motorellos' und deutet dabei auf die hinteren Federbeine seiner BMW. Eine Arbeit für den nächsten Winter.

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Gebügelte Hemden und Reiterhosen

Die R 25 ist nicht nur eine ideale Steilwand-Maschine, sondern passt auch visuell ins Konzept des Motodroms. Denn nicht nur mit ihrem Outfit – Motorellos fahren stets in gebügelten Hemden, gewichsten Stiefeln und engen Reiterhosen – legt der erfahrene Schausteller Ganslmeier höchsten Wert auf Tradition und Stil. „Wenn ich in eine Show gehe, erwarte ich auch, dass mir etwas Besonderes geboten wird – und genau das geben wir unserem Publikum, indem wir uns stilecht kleiden und auf klassischen Motorrädern unsere waghalsige Show bieten."
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Weder Helm noch Versicherung

Auch wenn die Show so spielend leicht aussieht – das Risiko fährt immer mit. Und das bis zu vierzig Mal am Tag, wenn bei Events wie den BMW Motorrad Days in Garmisch-Partenkirchen oder dem Münchener Oktoberfest der Besucherandrang so hoch ist, dass alle halbe Stunde bis spät in die Nacht eine Show gefahren werden muss. Ohne Helm und ohne doppelten Boden. Das fordert ständige Konzentration und geht an die Substanz.

Wenn Ganslmeier dem Publikum erklärt, dass keine Versicherung bereit sei, seine Fahrer gegen Unfälle zu versichern, ist das kein Scherz. Die Risikogruppe ist zwar mit weltweit fünfzig bis siebzig Fahrern überschaubar groß, aber die Wahrscheinlichkeit eines Unfalls ist in jeder Runde gegeben. Deswegen freuen sich die Motorellos über jede Spende in die selbst organisierte Unfallkasse am Ende einer Vorstellung.

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