Sprint, Style und ganz viel Sound.

Beim Glemseck 101 geben Musik und Motorräder den Ton an.

Längst hat es sich den Ruf als internationales Motorrad-Festival erworben: Das Glemseck 101 ist ein Happening der besten und wildesten Bikes. In Leonberg drehen die Hinterräder an der ehemaligen Solitude Rennstrecke kräftig durch – und die internationale Customszene dreht in Sachen Inspiration mächtig auf. Wo drei Tage Rock `n` Roll und coole Custom Bikes aufeinandertreffen und rund 40.000 Besucher anziehen.  

Auf die Plätze, fertig, los: Flaggirl Laura hebt an der Achtelmeile regelmäßig ab.

Voll am Anschlag.

Auf der alten Start-Ziel-Geraden der historischen Solitude-Rennstrecke in Leonberg versteht man sein eigenes Wort nicht. Zwei Fahrer stehen am Start der Achtelmeile, lassen im Takt ihre Motoren röhren. Im nächsten Augenblick reißt Flaggirl Laura die Fahne hoch, springt dazu synchron in die Luft und landet wieder auf dem Strohballen. Die Fahne ist unten, die Bikes sprinten los – der Gasgriff ist voll am Anschlag und die Pneus hinterlassen ihre Spuren auf dem Asphalt. Verbrannter Gummi in der Nase, Rauchschwaden in der Luft.

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Eins gegen eins.

Echte Duelle: Glemseck 101 heißt nichts anderes als einer gegen einen.

Eins gegen eins.

In diesem Moment leuchten nicht nur die Augen der Fahrer, auch die der Gäste auf der randvollen Tribüne. Ihre Köpfe bewegen sich mit dem Tempo der vorbeifahrenden Motorräder – und schauen nach wenigen Sekunden nur noch hinterher. Es ist Glemseck 101. Zeit für Beschleunigungsrennen über die Achtelmeile. Eins gegen eins – dafür steht die Zahl 101 – im K.-o.-System. So läuft es den ganzen Samstag und Sonntag.

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Sultans of Sprint

Immer schon anders, immer schon freaky: Die Sultans of Sprint heben sich von der Masse ab.

Im Zeichen des Sprints.

Die Sprints auf der legendären Rennstrecke sind in verschiedenen Klassen angesetzt: Der Café Racer Sprint verzückt die Heritage Fans, der Ur-Sprint des 101 mit luftgekühlten Motorrädern. Es gibt den Sprint International, den Classic Racer Sprint und die Schnapsglas-Klasse für Bikes mit 50 ccm – sozusagen das Mofarennen. Oder der StarrWars Sprint, bei dem Motorräder mit starrem Heck im Mittelpunkt stehen. Insbesondere das Rennen der Sultans of Sprint sorgt für großes Aufsehen – Motorradfreaks und Customizer aus ganz Europa nehmen daran teil. Kopf der Sultans ist der Franzose Sébastien Lorentz von der Lucky Cat Garage. Mit seinem Sprintbeemer fuhr er 2014 die Achtelmeile am Glemseck, danach initiierte er eine eigene Klasse – die Sultans of Sprint gingen erstmals 2016 mit Turbo, Kompressor und Lachgas an den Start. Mittlerweile ist eine europaweite Rennserie entstanden, bei der die gesamte Gefolgschaft der Sultans mitkommt. „Wir sind ein internationaler Wanderzirkus und ziehen von Achtelmeile zu Achtelmeile“, sagt Sébastien.

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Willkommen in der Factory Class!

Willkommen in der Factory Class!

2018 haben die Sultans of Sprint zusätzlich die sogenannte Factory Class ins Leben ihrer Rennserie gerufen – hier dürfen Viertakter oder wassergekühlte Motoren dürfen an den Start gehen. BMW Motorrad hat zwei der begehrten Startplätze ergattert, in Glemseck gehen die beiden Fahrer Amelie Mooseder (Spitfire/VTR Customs) und Rolf Reick (Little Go Beep/Krautmotors) an den Start der Achtelmeile, legen einen gekonnten Burnout hin während Zombie, Yeti, Frankenstein und Herkules im Hintergrund die Kulisse bilden. Völlig normal: Sultans tragen durchgeknallte Outfits. Denn nicht nur Speed, auch Performance und Power in Form von Stil, Kreativität und Verrücktheit gehören dazu. Schließlich gibt es Punkte fürs Rennen und Punkte für kreatives Design sowie feierwütiges Verhalten – „scary factor“ und „Party Monster Bonus“. Hauptsache freaky.

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Dabeisein ist ein Ritterschlag.

Dabeisein ist ein Ritterschlag.

Wie der gefürchtete Tod kommt Rolf Reick daher – auf seiner schwarzen Racingkluft ist ein Skelett aufgemalt. Mit „Little Go Beep“ holt sich Mr. Krautmotors Platz drei beim Sprint in der Factory Class. Einen Podiumsplatz fährt Amelie auf der performancestarken Spitfire nicht ein, über einen vierten Platz freut sie sich dennoch. „Bei den Sultans ein Sprintrennen mitzufahren ist sowas wie ein Ritterschlag. Einen dieser raren Plätze zu bekommen ist ein Knaller. An der Achtelmeile feiern und fiebern die Leute mit. Das ist großartig“, erzählt Amelie, die mit einem Dinosaurier als Maskottchen auf weitere Punkte für den „scary factor“ hofft. Die Sultans of Sprint sind die spektakulärste Truppe, die am Glemseck auftritt. „Da gibt es auch unfassbar viel Resonanz, weil die Bikes wirklich sagenhaft umgebaut sind. Sie sind extrem laut, extrem schnell. Beim Qualifying und bei den Rennen ist richtig viel los“, sagt Christian Pingitzer, Leiter BMW Motorrad Heritage/Customizing.

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BMW Boxer Sprint

Wie ein Space Shuttle.

Ein weiterer Höhepunkt am Glemseck folgt mit dem BMW Boxer Sprint am Sonntag. Die Créme de la Créme der Customszene zeigt ihre feinsten Leckerbissen. Acht top Customizer auf ihren acht spektakulären BMW Motorrad Umbauten treten bei diesem Rennen gegeneinander an. Cristian Sosa von Sosa Metalworks aus Las Vegas hat sein Bike SMW 61-B an den Start der Achtelmeile geschoben – neugierig beäugt von zahlreichen Besuchern. Seine Customschmiede ist bekannt für handgefertigte Teile und Metallverarbeitung. Die Karosserie der SMW 61-B ist aus handgeformtem Aluminium, roh belassen, um das aufwendige Handwerk nach außen zu zeigen. Cristian mag es pur, verzichtet auf Lack. SMW 61-B lehnt an die Missionsbezeichnung für den US-amerikanischen Space Shuttle Atlantis der NASA. Die 61-B war die erste Shuttle-Mission, bei der ein Mexikaner Teil der Crew war. „Ich komme ursprünglich aus Mexiko und das Motorrad sieht aus wie ein Space Shuttle, das gerade startet.“ Kein Wunder, dass Cristian beim Boxer Sprint fast abhebt und ein furioses Rennen über 201,17 Meter hinlegt.

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Sternstunde für „Schwarzwerk 101“.

Die Podiumsplätze gehen jedoch an andere Fahrer: US-Racer Nate Kern fährt mit der BOS NineT (Van Harten Performance Team) auf Platz 3. Und im Finale geben sich Norbert Rebholz auf R nineT Racer Carbon „Schwarzwerk 101“ (BMW Motorrad Race Team) und Alessandro Giuzio auf Badass (Impossible Garage) die Ehre. Norbert zieht davon und fährt schnurstracks auf Platz ein. Mit exquisiten und einzigartigen R nineT Umbauten sind auch Ben Saggers auf „Moksha“ (Sinroja Motorcycles), Eak Tanadit auf „Iron Racer“ (K-Speed), Isidoro auf „Coyote“ (Fuel Bespoke Motorcycles) und Dan Riley auf „Maxx Headroom“ (Gunn Design). An der Achtelmeile drehen sich die Köpfe nach diesen kernig klingenden Bikes um. Auch als Dan Riley den Hinterreifen von „Maxx Headroom“ per Burnout auf Temperatur bringt. Ein Jahr lang hat er unermüdlich an dem Bike gearbeitet. „Die Motivation war, ein Super Hooligan Flat Track Bike zu kreieren, das sowohl Street Bike als auch Track Bike ist“, erzählt Dan über den Umbau, den er ursprünglich für Flat Track Rennen in den USA konzipiert hat. Benannt hat er seinen Umbau nach dem MTV-Charakter der 80er Jahre. 

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Wenn Iron Man ein Racer wäre.

Wenn Iron Man ein Racer wäre.

Eak Tanadit von K-Speed, Customizer aus Thailand, ist begeistert vom Ambiente am Glemseck: „Das ist genau der richtige Ort, von dem jeder Biker träumt, um sein eigenes Custombike zu fahren und es anderen Gleichgesinnten zu zeigen.“ Voller Stolz präsentiert er seine Iron Racer, mit der er ebenfalls beim BMW Boxer Sprint antritt. „Es ist ein Traum, diese Maschine in ihrem Ursprungsland zu fahren – dem Land, das für seine Technologie und seine Motorräder bekannt ist.“ Eak wurde von 'Iron Man' inspiriert. Wenn Comicfigur und Filmheld Tony Stark ein Motorrad im Racer Style hätte, müsste wohl genauso sein Motorrad aussehen. „Ich habe meinen charakteristischen Stil, den rauen und metallischen Look mit der markanten Silhouette in dieses Motorrad gesteckt, um es perfekt zu machen. Um ehrlich zu sein: Das ist das härteste Projekt, das ich je gemacht habe. Es war nicht einfach, ein Bike zu individualisieren, das bereits in der Produktion super gut aussieht.“ Besonders die Scheinwerferabdeckung gefällt ihm – für ihn der zugleich schwierigste Part des Umbaus.

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Customizer und Visionen

Authentisch und maßgeschneidert.

Erstmals in Leonberg dabei: Customizer Karles Vives von Fuel Bespoke Motorcycles (links) und sein Fahrer Isidoro.

Authentisch und maßgeschneidert.

„Meiner Meinung nach ist Glemseck eines der authentischsten Festivals der Custom-Szene“, sagt Karles Vives von Fuel Bespoke Motorcycles. Ob Besucher, Veranstalter oder Customizer – für Karles sind sie allesamt echte Liebhaber alter und maßgeschneiderter Bikes, „die mit Leidenschaft alle Rennen und Veranstaltungen während des Festivals leben“. Er ist einer von ihnen. Mit seinem gelungenen Umbau Coyote erntet der Spanier beim Boxer Sprint Respekt für seinen Scrambler – es ist eines von 15 Custom Bikes, die BMW Motorrad nach Leonberg mitgebracht haben. „Die Community hat uns für unser Customizing sehr gelobt, die Resonanz auf die umgebauten Bikes war hervorragend“, sagt Christian Pingitzer von BMW Motorrad, der zusammenfassend von einem sehr emotionalen und spannenden Wochenende spricht.

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Wenn ein Motorrad irritiert.

Ein Custom Bike? Für Bernhard Naumann alias "Der Blechmann" ist sein Giggerl eher ein Konzeptfahrzeug.

Wenn ein Motorrad irritiert.

Ein ziemlich kontroverser Entwurf einer R nineT kommt hingegen aus Deutschland: Bernhard Naumann alias Blechmann präsentiert sein Giggerl am Glemseck – allerdings geht es bei den Rennen nicht an den Start. Viele Teile sind abgebaut, eine komplett neue Front ist entstanden – ein Kunstwerk aus Metall und Blech. Die Linienführung ist auf den Kopf gestellt, die Basis nicht mehr zu erkennen. „Ein großes Thema war für mich, den ‚eingebauten‘ Hipster auszutreiben. Das war harte Arbeit.“ Entstanden ist seine persönliche Vision – ein Konzeptfahrzeug. Ein solches Bike darf dann auch am Glemseck manche Besucher irritieren. Und genau deswegen passt es so perfekt an jenen Ort, an dem nicht nur die Sultans aus der Masse hervorstechen. Auf zur nächsten Runde!

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Einer, der immer mit 100 Prozent bei der Sache ist: US-Racer Nate Kern.

Fotocredits: Marc Holstein und Christine Gabler.

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