Aus Indien zurück nach Bayern.

Interview mit Edgar Heinrich, dem Chef-Designer von BMW Motorrad.

Nach einem kurzen Aufenthalt in Indien kehrte Edgar Heinrich nach München zurück, um das BMW Motorrad Design Team zu leiten. Es war eine freudige Rückkehr für den Motorrad Enthusiasten, der seine Karriere 1986 bei BMW startete. Viele BMW Motorräder wurden unter seiner Ägide entworfen: die Paris-Dakar Rallye Maschine, die K 1200 S und R, die HP2 Enduro, die R 1150 GS, die R 1200 GS und zuletzt die S 1000 RR.

Bevor er seinen Posten beim indischen Autohersteller Bajaj angetrat, war er außerdem an der Entwicklungen des Designs der Touringmaschinen K 1600 GT und GTL sowie des C 600 Sport und des C 650 GT Maxiscooter beteiligt. Sie alle wurden erfolgreich in den Markt eingeführt, öffneten in diesem etablierten Marktsegment neue Felder und begeisterten viele Neukunden für die Marke. In einem exklusiven Interview mit BMW Motorrad, erzählt Edgar Heinrich von seiner Begeisterung für Design, das Sammeln und das Restaurieren von Motorrädern aller Art.

Als Du nach Indien gegangen bist, war gerade die R 1200 GS ins Leben gerufen worden. Nach Deiner Rückkehr war die Maschine gerade fertiggestellt worden. Und nun hast Du bereits an ihrer Vorstellung mitgearbeitet. Bist Du mit dem Ergebnis zufrieden?
Ja, ich war sehr zufrieden, allerdings nicht überrascht. Ich war natürlich happy über die Reaktion der Journalisten nach unserer Präsentation auf der Intermot. Die Presse war durchgehend positiv. Ohne einen einzigen negativen Kommentar. Die Maschine scheinen wirklich alle zu mögen. Einen besseren Neuanfang bei BMW konnte ich mir gar nicht vorstellen.
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Ist es nicht komisch, so weit im Voraus zur „realen“ Welt zu arbeiten? Und Trends der Zukunft vorauszusehen und zu etablieren?
Diesen Zeitsprung gibt es im Design immer. Man bewegt sich quasi in einer anderen Welt – einer zukünftigen. Und doch muss man real bleiben und für hier und heute arbeiten. Dabei scheint es oft sehr lange zu dauern, bis eine neue Maschine rauskommt. Aber wenn „Dein Baby“ vorgestellt wird und Du siehst, wie die Leute es auf der Straße fahren – das ist das beste Gefühl der Welt. Wir führen wirklich eine Art paralleles Leben. Dazu kommt, dass wir nie zufrieden sind. Kaum ist ein Bike vorgestellt, überlegen wir schon, was man an dem Nachfolgemodell verbessern könnte.
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Wie war das bei der GS? Wie schwer ist es, ein Design weiterzuentwickeln, ohne die Tradition auf den Kopf zu stellen?

Neuentwicklungen sind oft Gratwanderungen. Man möchte bereits existierenden GS Besitzer nicht verprellen. Aber als Designer will man immer Neues schaffen. Ein so erfolgreiches Modell zu verändern, macht einem schon ein wenig Angst. Wie weit geht man? Wie weit muss man gehen? Geholfen hat, dass viele im Team – auch ich – selber GS-Fahrer sind und den GS-Lifestyle leben. Wir wissen, was wir von einem solchen Motorrad wollen. Das hat bei der neuen R 1200 GS perfekt geklappt. Es war uns sehr wichtig, eine authentische GS zu schaffen. Eine, die ihren Genen treu bleibt – typisch in Erscheinung und Bauweise, aber neu und dynamisch interpretiert.

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Und die neuen Segmente wie zum Beispiel Urban Mobility?
Es ist sehr erfrischend, jetzt Teil dieses neuen Segments zu sein. Besonders reizvoll ist, dass wir das Segment selbst interpretieren können. Es ist klasse, ein Design-Statement abzugeben. So wir es bei dem C 600 Sport und dem C 650 GT getan haben. Und für mich war es auch etwas Besonderes im letzten Sommer der Presse und den VIPs den C Evolution Electric Scooter vorzustellen. Ich war in London als der Prototyp vorgestellt und getestet wurde. Wie erwartet haben sie beide sehr gut funktioniert, sowohl auf der technischen als auch auf der ästhetischen Seite.
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An welchen BMW Maschinen hast Du in den Jahren besonders gerne mitgearbeitet?
Jede BMW Maschine ist speziell und es macht Spaß, sie zu erschaffen. Ich arbeite sehr gerne an den Dakar Bikes , wahrscheinlich weil Offroad und Rennen eine Leidenschaft von mir sind. Und es genau das ist, was ‘GS’ für mich bedeutet. Eines der interessantesten Bikes, die ich gemacht habe, war die K 1200 R. Sicherlich keine logische oder klare Wahl. Und damals bestimmt auch keine ‘typische’ BMW. Aber wir haben sie gemacht, auch wenn es ein bisschen verrückt war – und das mochte ich.
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Motorräder besetzen auch einen großen Teil Deiner Freizeit. Findest Du es entspannend, an alten Maschinen herum zu fummeln?
Absolut. Ich liebe es, Motorräder zu restaurieren, sie zu zerlegen und dann wieder anders aufzubauen – sogar alte BMWs. Das ist hier nicht sehr populär, weil viele denken, alte Motorräder müssten original bleiben, aber ich habe alle meine alten BMWs neu und anders aufgebaut. Nur eine Honda CB 500, eine Kultmaschine meiner Jugend, stellte ich wieder original her. Ich habe auch eine BMW 51/3 aus dem Jahr 1954, die ich umgebaut habe – sie war die Inspiration für das Lo-Rider-Konzept. Ein Bike zu finden, es neu zu gestalten und selbst zu interpretieren – wie es die Customizer tun – ist schon sehr cool. Ich steh drauf. Und selbst meine 58-Jahre alte BMW, die ich als „Alltags-Motorrad“ nutze, war immer zuverlässig.
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Und was steht so in Deiner Garage?

Im Moment stehen da 16 Motorräder. Darunter einige restaurierte Klassiker. Kann ein Mann zu viele Motorräder haben? Ich habe eine HP2, eine R 51/3, eine R 24, eine R GS Paris-Dakar Version, einige Ducatis, eine alte Matchless und eine Enfield aus meiner Zeit in Indien – umgebaut zum Scrambler. Es gibt auch eine Vespa 61, cool und vollends original. Ich habe sogar eine Gas Gas mit der ich Trial gefahren bin. Dann habe ich noch eine CB 650, eine CB550 und noch eine Honda Dominator.

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Hat Dir Dein Ingenieurswissen bei Deiner Designer-Karriere geholfen?
Als Junge habe ich immer an meinem Motorrad herum gefummelt und Sachen verändert. Ich konnte mir keine Werkstatt leisten. Das war der beste Weg, alles zu lernen. Mir hat es Spaß gemacht, herum zu schrauben und es hat mir definitiv geholfen. Heute kann ich mit den Ingenieuren reden und sie merken, dass ich sie verstehe und respektiere. So treffen wir zusammen sachkundige Entscheidungen. Motorräder haben ja eine hohe technische Komplexität. Fast alle technischen Teile sind von außen sichtbar. Deswegen müssen wir das Produkt auch von der Technik her verstehen und gestalten.
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Wir müssen das Produkt auch von der Technik her verstehen und gestalten.

Edgar Heinrich, Chef Designer BMW Motorrad

Was werden in der Zukunft die größten Herausforderungen für die Marke sein?
Es gibt da draußen mittlerweile eine ganze Menge Motorräder – ein klares Zeichen der Zeit. Aber global muss man aus der Menge herausragen. Wir brauchen starke, emotionale Motorräder, die perfekt funktionieren und einem immer das Gewisse Extra bieten.
Spannend werden auch die Herausforderungen der Zulassungsbestimmungen und die Vorgaben für ein Mehr an grüner, umweltfreundlicher Mobilität. Zweiräder können hier eine wichtige Rolle einnehmen. Und wir bei BMW wollen hier mit innovativen Lösungen wichtige Beiträge leisten.
Edgar, Danke für das Interview.
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