Che bella moto!

Unterwegs auf dem Transitalia Marathon 2017.

Pasta, Pizza, Parmesan – und das ist noch längst nicht alles. Zumindest nicht für gut 290 begeisterte Enduro-Abenteurer. Sie starten beim Transitalia Marathon, der 2015 von Mirco Urbinati, einem ehemaligen Rennfahrer, ins Leben gerufen wurde. Dabei ist der Transitalia Marathon aber ausdrücklich kein Wettbewerb, sondern ein großes gemeinsames Abenteuer und damit gerade für gewichtigere Enduros bestimmt. Also ein ideales Terrain für die GS-Community, den Entdeckergeist mal wieder so richtig auszuleben ­– immer wieder begleitet von italienischer Begeisterung am Straßenrand: che bella moto!

Das süße Leben – und das staubige

Startpunkt ist die Piazzale Fellini in Rimini. Hier schreiben sich die Teilnehmer ein und erhalten unter anderem das obligatorische T-Shirt, Armbändchen und natürlich das Roadbook. Genau diese 400 Seiten sollen die Gruppe durch die nächsten drei Tage führen. Die rund 920 Kilometer lange Strecke folgt dabei immer wieder dem Verlauf der ehemaligen Rallye del Titano aus den 80er Jahren und windet sich bergauf, bergab, durch den Appenin. Jenen malerischen Gebirgszug, der einen Großteil Italiens und San Marinos mit seinen gut 1500 Kilometern Länge von Nord nach Süd durchzieht. Pure Leidenschaft, perfekte Organisation und präzise Liebe zum Detail werden hier auf den ersten Blick und noch vor den ersten gefahrenen Kilometern spürbar. Benannt wurde der Startpunkt tatsächlich nach Federico Fellini, dem wohl berühmtesten Sohn der Stadt und Regisseur solcher Meisterwerke wie La Strada oder eben La Dolce Vita. Wie passend, denn auch die Fahrer erwartet ganz großes Kino. Doch vor dem ersten Etappenstart am nächsten Morgen gibt es noch ein prachtvolles italienisches Abendessen – eben das süße Leben vor dem staubigen.

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Einen Espresso? Ach, lieber gleich zwei.

Einen Espresso? Ach, lieber gleich zwei.

Das Regelwerk des Transitalia Marathon legt ausdrücklich fest, dass bei dem Abenteuer die italienische Kultur mit ihren Menschen und ihrer Landschaft, ihrer Geschichte und ihren Traditionen im Mittelpunkt steht. Der Wettbewerb oder gar das Fahren nach Zeit spielt also keine Rolle. So lässt man es durchaus gemütlich angehen. Da wundert es nicht, dass die Teilnehmer bereits nach wenigen Kilometern eingeholt werden ­­– und zwar von der italienischen Lebensart. So finden sich, obwohl eigentlich in Dreiergruppen gestartet, an so wichtigen Geländepunkten wie Bars oder auch weiteren Bars schnell ein Dutzend Fahrer auf einen Espresso ein – oder eben auch auf zwei. Dazwischen genießen die Enduristen mal sportlich schnelle, mal anspruchsvoll langsame, Passagen über Schotter und Asphalt, über Feldwege und durch Olivenhaine. Der Sonnenuntergang am ersten Etappenziel, dem Lago di Trasimeno, passt also perfekt in diesen ersten durch und durch italienischen Tag.

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Heißer Reifen für ein kaltes Bier.

Heißer Reifen für ein kaltes Bier.

Der morgendliche Nebel hat sich noch nicht verzogen, da sitzen die Teilnehmer schon wieder auf ihren Maschinen. Gerade in diesen frühen Stunden sind die Wege hoch über den Tälern ein besonderer Genuss. Der Tag steigt im wahrsten Sinne des Wortes langsam vom Meer auf. Ein geradezu filmreifer Anblick. Doch genau in diesem Moment muss ein Fahrer absteigen: Plattfuß. Schnell hat sich eine ganze Gruppe um ihn versammelt. Frederico, ein Teilnehmer und bestens vorbereiteter alter Rallye-Hase, hat zum Glück einen Ersatzschlauch dabei. Die Reparatur geht schnell und ist selbstverständlich – Hilfe unter Gleichgesinnten. Mit der Hoffnung auf eine pannenfreie Weiterfahrt geht es dann rasch weiter. Als Bezahlung gibt es ein dankbares Lächeln und abends ein kühles Bier in Leonessa. Dort, mitten in den Abruzzen, feiert das gesamte Städtchen die Fahrer mit einem wahren Volksfest voller Tanz und Musik und nicht zuletzt mit einem Abendessen in einer alten Klosteranlage.  

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Einsam, aber nie allein.

Am Start der letzten Etappe nach Fermo liegt außer dem Duft des frischen Kaffees auch ein wenig Wehmut in der Luft: zu schön sind die letzten Tage gewesen. Purer Endurogenuss. Schlamm und Staub zum Abwaschen hinterlassen unauslöschliche Erlebnisse. Die Einsamkeit und der Blick über die grandiose jahrtausendalte Kulturlandschaft haben sich für immer in den Köpfen der Teilnehmer festgefahren. In jeder Stadt, in jedem Dorf, auf jedem Hof herrscht begeisterte Gastfreundschaft: Ein kleiner Tisch am Wegesrand mit frischen Brot und Speck ist fast so selbstverständlich wie die für die Öffentlichkeit gesperrte Piazza und die Durchfahrt durch prächtige Stadttore am Abend. Und man wundert sich schon gar nicht mehr, dass die kleine Bitte nach ein wenig Werkzeug in einem Schuppen viel Größeres offenbart: Der Besitzer ist selbst begeisterter Enduro-Fahrer und prompt wird aus dem alten Gemäuer für ein paar Stunden eine wahre Pop-up-Werkstatt voller Geschichten von Motoren und begeistert schraubender Marathon-Teilnehmer ­– irgendetwas lässt sich schließlich immer festziehen.

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Da capo al fine.

Am letzten Abend dann wieder das Bild, an das man sich bereits so schön gewöhnt hat: Lange Tafeln mit erschöpften, aber glücklichen Enduro-Enthusiasten und Geschichten, die nicht jeder erlebt. Schließlich führen die eigens freigegeben Wege und Pisten nicht nur zu den Menschen, sondern direkt in ihr Leben. Plötzlich ist der Weg, den gewöhnlich nur der Trecker durch den Hof nimmt, der eigene und selbst weidende Kühe und die Tiere am Wegesrand schauen den geländegängigen Rossen völlig entspannt hinterher. Für drei wunderschöne Tage sind die Teilnehmer wirklich angekommen in dieser traumhaften Enduro-Landschaft, den Blick immer aufs Meer, ins Tal oder – noch besser – in die Zukunft gerichtet. Denn für die meisten ist an den langen Tischen bereits an diesem Abend klar: da capo al fine – das Ganze bitte noch einmal von vorn.

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