Die Henne im Hahnenkorb.

Jolandie Rust ist die First Lady der GS Trophy.

Als erster weiblicher Marshal bei der Int. GS Trophy muss sich Jolandie „Jo“ Rust in einer Männerdomäne behaupten. Schwer fällt ihr das nicht, Denn Rust lässt sich nicht so leicht beeindrucken. Noch nicht einmal von einem bewaffneten Raubüberfall während ihrer Enduroreise durch Afrika.

Die Jungs wischen sich den Schweiß von der Stirn. Die 30-Grad-Marke ist längst geknackt. Allerdings ist es nicht einmal die Hitze an sich, die den Männern zusetzt, sondern die unglaubliche Luftfeuchtigkeit in Mae Sariang, mitten im thailändischen Hinterland. Ratlos stehen sie um das Motorrad ihres Teamkollegen, ehe sie einen letzten Versuch starten, die 250 Kilogramm schwere R 1200 GS aus dem Schlamm zu hieven. Keine Chance. Jo muss her. Jo ist der Teamleiter, der Boss, der Pro. Während des siebentägigen Enduroabenteuers Int. GS Trophy zieht sie die Teilnehmer öfters aus dem Schlamm. – Und aus dem Schlamassel.

Respekt, Marshal Jo.

Respekt, Marshal Jo.

Jo heißt eigentlich Jolandie Rust. Sie ist 32 Jahre alt und kommt aus Südafrika. Die starke Frau mit dem zierlichen Gesicht und den langen braunen Haaren ist der erste weibliche Marshal in der Geschichte der Int. GS Trophy. Die First Lady der Enduroserie hat längst das Vertrauen und den Respekt ihrer Teammitglieder gewonnen. Vertrauen, weil sie die GS-Fahrer tatkräftig unterstützt. Respekt, weil sie einzigartige Enduro-Erfahrungen hat.

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Mehr PS. Mehr Speed.

Mehr PS. Mehr Speed.

Jo war schon immer auf zwei Rädern unterwegs. Anfangs war es noch das Fahrrad. Mit dem fuhr sie in hundert Tagen 5.951 Kilometer quer durch Afrika. Genug hatte sie davon noch lange nicht. Jo wollte mehr. Mehr PS. Mehr Speed. Aber weiterhin zwei Räder. Sie entschied sich für die BMW F 650 GS Dakar. 2011 wollte sie von Kapstadt aus Afrika entlang der Küste umrunden. Angst, als Frau allein unterwegs zu sein und im Notfall niemanden zu haben, der einem hilft, kannte Jo nicht. Bis zu jenem Tag in N’Zeto im Norden Angolas, an dem sie bewaffnete Männer bedrohten und ihr alles wegnahmen, außer dem Wichtigsten: ihrem Leben.

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Dem Überfall zum Trotz.

Das war der Augenblick, in dem Jo es mit der Angst zu tun bekam. Sie brach ihre Reise ab und kehrte nach Hause zurück. Doch auch wenn die Männer sie ihrer gesamten Ausrüstung beraubt hatten – ihren Mut wollte sie sich nicht rauben lassen. Sie begann ihre Reise von neuem. Nach 18 Monaten, 28 Ländern und 45.000 Kilometern ist für die Südafrikanerin ein Traum wahr geworden: Als erste Frau umrundete sie mit dem Motorrad Afrika. Rekord. „Es war eine unglaubliche Erfahrung“, sagt sie zurückblickend.
Die Afrikareise veränderte Jo. Nicht nur ihren Charakter, sondern auch ihr Leben. „Seit meiner Reise weiß ich, dass ich alles erreichen kann. Ich wurde zu der Person, die ich immer sein wollte“. Ihre Stärke und ihr Selbstvertrauen, die sie als „GS-Gefühl“ zusammenfasst, will sie an andere Frauen weitergeben. Deshalb schreibt sie ein Buch über ihre Motorradreise und arbeitet gleichzeitig als Offroad-Ausbilderin. Beim Training will sie vor allem Frauen den Spaß am GS-Fahren vermitteln. Außerdem hat sie die globale Plattform "BMW GS Girls" gegründet, auf der sich Motorradfahrerinnen zu ihren Abenteuern austauschen können. Jos Ansporn: „Viel mehr Frauen sollen solche Motorrad-Abenteuer erleben.“
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Mehr Frauen sollen solche Motorrad-Abenteuer erleben.

Jolandie Rust

Girl Power bei der Int. GS Trophy.

Girl Power bei der Int. GS Trophy.

2016 war es endlich soweit. Nach sieben Jahren trat zum ersten Mal ein Frauenteam bei der Int. GS Trophy an. „Als ich davon gehört habe, wollte ich direkt als Fahrerin mitmachen“, sagt Jo. Die Regeln des Events machten ihr einen Strich durch die Rechnung. „Leider darf ich als Offroad-Ausbilderin nicht selbst an der Trophy teilnehmen“, sagt Jo. Wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich eine andere: Jo wurde zum Jurymitglied beim Frauen-Qualifying der Int. GS Trophy in Südafrika. Zehn Frauen kämpften um einen Platz im internationalen Frauenteam. Jo stand ihnen mit ihrem Wissen und Urteilsvermögen zur Seite. Schnell war klar: Keiner wollte bei der Int. GS Trophy in Südostasien auf sie verzichten. Der Rest ist Geschichte – die Geschichte des ersten weiblichen Marshals bei der Int. GS Trophy.

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Auf dem Weg ins nächste Abenteuer.

Chiang Doi, März 2016. Die Sonne ist gerade hinter dem Rim Doi Resort aufgegangen. Jo breitet ihre Habseligkeiten auf dem Bett aus und sortiert sie anschließend in den Koffer. Die Int. GS Trophy ist zu Ende. Zwar sprang dieses Mal (noch) kein Sieg für das Frauenteam heraus, aber Jo ist zufrieden. „Es ist ein großer Fortschritt, dass jetzt auch Frauen bei dem Event teilnehmen. Dadurch werden weitere Frauen motiviert, sich auf die Suche nach dem Abenteuer zu machen“, sagt Jo. Sie schließt den Koffer und geht zur Tür. Ein letzter Blick ins Zimmer. Wieder schließt sich eine Tür. Doch eine andere in Richtung Abenteuer steht schon offen.
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Das nächste Abenteuer für Jolandie Rust ruft.
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