Reisen statt rasen.

Eric Massiet du Biest und das Glück auf dem Schotterweg.

Es ist leichter, die Länder aufzuzählen, die Eric Massiet du Biest noch nicht mit dem Motorrad erkundet hat. Bis zu seinem sechzigsten Geburtstag 2022 will er seine allumfassende Weltreise abschließen. Trotzdem hat der Franzose keine Eile. Er will weit fahren, nicht wild. Und wer ihn begleitet, soll glücklicher zurückkommen als er gestartet ist. Das ist seine Mission.

Geschichten am Lagerfeuer.

Geschichten am Lagerfeuer.

Eric Massiet du Biest macht es sich auf einem der Baumstämme bequem, die um das Lagerfeuer an den BMW Motorrad Days stehen. Er sitzt oft am Feuer, wenn er als Tour-Guide mit einer Motorrad-Gruppe unterwegs ist. „Das stärkt die Gemeinschaft“, sagt er. Nicht wie im Hotel, wo jeder seiner Wege geht und erst am nächsten Tag wieder auftaucht. „Ich campe lieber. Meine Motorradklamotten sind mein Bett, der Helm das Kissen.

So kann ich überall schlafen. Manche sagen: Zeig mir, wie man im Freien schläft. Dann antworte ich: Da gibt’s nichts zu lernen. Lege dich hin und schlafe.“ Wenn sie gemeinsam am Feuer sitzen, fällt die Spannung ab, die die Strapazen des Tages in die Gruppe gebracht haben. „Dann sitzen wir auf unseren Gepäcktaschen und erzählen Geschichten.“ Heute erzählt Eric seine eigene Geschichte.

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Mein einziger Boss ist die Sonne. Sie sagt mir, wann ich ins Bett gehen und wieder aufstehen muss.

Eric Massiet du Biest

Fahrstunden beim Stuntman.

Im Grunde ist Eric Massiet du Biest noch nie den Weg gegangen, den man von ihm erwartete. Vielleicht hat er genau deshalb so viele Wege auf der ganzen Welt entdeckt. Schon als Kind machte er das, was er selbst für richtig hielt. Wie ein ungezähmtes Tier. „Ich war ein schlimmer Junge“, sagt er schelmisch und erzählt, wie er mit zwölf Jahren das Auto seiner Mutter nahm, um damit durch sein Dorf und über die umliegenden Felder zu fahren. In der Nähe von Nantes ist er aufgewachsen, im Westen Frankreichs.
„Meine Mutter hat von meinen Touren nichts mitbekommen – sie weiß es bis heute nicht.“ Seinen Vater hat Eric nie kennengelernt. Er erklärt sich dadurch auch seinen Hang zum Abenteuer. Ohne Regeln, ohne Grenzen. Doch blieben seine heimlichen Ausflüge mit Mutters Auto nicht völlig unbemerkt. Sein Nachbar ertappte ihn eines Tages. Moustache – benannt nach seinem markanten Schnauzbart – war Stuntman. „Als er entdeckte, dass ich illegal mit dem Auto fuhr, brachte er mir kurzerhand das Fahren bei und obendrein ein paar Stunts.“ Moustache lehrte ihn auch das Motorradfahren. Mit 14 hatte Eric 500 Franc zusammengespart und kaufte davon eine Honda 125 XLS.
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Vorreiter der Abenteuer-Blogger.

Vorreiter der Abenteuer-Blogger.

Überall fuhr er mit dem Bike hin, natürlich auch zur Führerscheinprüfung, die er vier Jahre später absolvierte. Dann kaufte er sein erstes richtiges Motorrad: eine Ducati 900 Darmah SS. Die Lieferung bestand aus dem Rahmen, zwei Rädern und sechs Boxen mit Teilen. Drei Jahre später verkaufte er das Bike, um seine erste Weltreise mit dem Auto zu finanzieren. Zusammen mit drei weiteren Jungs startete er das erste mobile Pressebüro. Sie arbeiteten fürs französische Fernsehen und Magazine – waren sozusagen die Vorreiter der Abenteuer-Blogger. Im Juli 1988 fuhren sie los, reisten durch 45 Länder und kamen erst 18 Monate später zurück.

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Für diese Weltreise gab er sein Studium auf. Sechs Jahre Lehramt – er hatte das Examen bereits in der Tasche. Doch unterrichtet hat Eric nie. „Meine Mutter wollte mich umbringen. Sie sagte, dass ich nichts aus meinem Leben machen würde. Aber ich hatte diese großen Träume und wollte nicht den einfachen Weg gehen.“ Statt zu unterrichten, schlug er sich als Journalist durch und gründete später seine Reiseagentur T3. „Mein einziger Boss ist die Sonne. Sie sagt mir, wann ich ins Bett gehen und wieder aufstehen muss.“

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Der Salzsee Salar de Uyuni – Erics Lieblingsort. Hier wird für ihn der Spirit of GS spürbar.

Mission: Menschen glücklich machen.

Bei T3 arbeitet Eric Touren aus, promotet sie, dann fährt er mit einer Gruppe von Abenteurern los. Es geht nicht ums Geld. Es geht um dieses Gefühl, das er nur fühlt, wenn er durch die Welt tingelt. Es geht um den Spirit of GS, den er auch allen zeigen möchte, die mit ihm kommen. „Manche reisen zum ersten Mal, und sie verändern sich.
Wenn ich eine Mission auf der Erde habe, dann die, Leute glücklicher zu machen. Das hat ohne Übertreibung schon hunderte Male geklappt. Auch wenn T3 die Logistik komplett übernimmt, sind auf dem Weg viele, viele Hürden. Man muss mutig sein. Manchmal hasst man es, aber hinterher liebt man es. Ausschließlich jeder kehrt stärker von einer Weltreise zurück.“
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Manche reisen zum ersten Mal, und sie verändern sich. Wenn ich eine Mission auf der Erde habe, dann die, Leute glücklicher zu machen.

Eric Massiet du Biest

Wild oder weit – beides geht nicht.

Eric und seine GS „Max“ messen sich mit Giraffen...

Wild oder weit – beides geht nicht.

Nach der Weltreise im Zeichen der Pressearbeit kaufte er 1990 eine BMW K 100 LT. „Die hatte richtig Power und ich saß wie auf dem Sofa. Aber ich merkte die Geschwindigkeit nicht, das war gefährlich.“ Also wechselte er das Modell und kam zu seiner ersten GS. „Man muss sich entscheiden, ob man rasen oder reisen will. Beides geht nicht. Es ist dumm, schnell zu fahren, wenn man weit kommen möchte – denn einen Unfall darf man sich nicht leisten. Ich fahre lieber weit als wild. Das ist meine Philosophie.“ Zig Touren hat Eric bis heute mit der GS gemacht. Nicht mit irgendeiner, sondern mit Max, Bill, Cyrus oder Bob. „Ich gebe ihnen Namen, klopfe sie, muntere sie auf oder lobe sie“, sagt Eric, ohne die Miene zu verziehen.

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...und mit Vogel Strauß.

„Max war mein Lieblilng. Gemeinsam haben wir viel erlebt. In Tansania sind Max und ich mit Straußen um die Wette gelaufen, auf dem Salar de Uyuni sind wir durch 20 Zentimeter tiefes Salzwasser gefahren. Auf Max war immer Verlass.“ Cirrus fuhr er bei der One World Tour. Den Prototypen mit Wasserkühlung benannte er nach der – wie er findet – schönsten und technischsten aller Wolken. Eric liebt die Wolken. An ihnen liest er das Wetter ab. „In Namibia sah ich einmal eine riesige Wolke, einen schwarzen Teppich auf mich zukommen. Mitten in der Wüste gab es kein Entkommen. Also packte ich alles weg, was nicht nass werden durfte und gab Gas. Ich war komplett nass, fuhr einfach weiter und war zehn Minuten später wieder trocken. Wir machen oft aus Situationen ein Problem. Dabei kann man sie meist aussitzen, oder es gibt eine einfache Lösung.“

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Wer eine Weltreise macht, muss mutig sein. Manchmal hasst man es, aber hinterher liebt man es. Ausschließlich jeder kehrt stärker von einer Weltreise zurück.

Eric Massiet du Biest

Angezogen vom Unbekannten.

Angezogen vom Unbekannten.

Es klingt so nach Klischee. Aber es ist dieses Gefühl der unendlichen Freiheit, das Eric hinauszieht in die Welt, ihn zum Reisen verführt. „Zwei Monate halte ich es zuhause aus, dann wachsen mir überall Flügel“, sagt er. Angezogen vom Unbekannten muss er wieder auf die Straße.

„Ich kann nicht Gitarre spielen, ich kann kein Haus bauen. Das einzige, was ich kann, ist Kontinente überqueren.“ Wer so viel unterwegs ist, braucht kein Haus. „Ich bin da zuhause, wo ich meinen Helm aufhänge.“ In Frankreich besitzt Eric eine Garage, er selbst wohnt darüber. Es ist – wenn man so möchte – sein Hauptwohnsitz.

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Abenteurer mit Familienleben.

Den Abenteurer in den Genen: Eric und sein Sohn Tom.

Abenteurer mit Familienleben.

Ein Widerspruch in sich – das weiß Eric – ist der Wunsch nach Familienleben und der Traum vom ewigen Reisen. Vier Kinder hat er. Sie haben viel von ihm geerbt: Tom, mit 27 Jahren sein Ältester, lebt als Fotograf in Costa Rica und begleitet ihn mittlerweile als offizieller Fotograf bei den Weltreisen. Sein zweiter Sohn ist 22 und Architekt in Australien. Seine beiden Jüngsten sind zehn und zwölf und leben bei seiner Exfrau im französischen Orleans. Für ihn der Grund, selbst in Frankreich zu leben.

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Irgendwo im Nirgendwo. Dort fühlt sich Eric wohl.

„Ohne meine Kinder wäre ich vermutlich längst ausgewandert“, sagt Eric und schaut gedankenverloren ins Lagerfeuer, als ob dort Bilder auf einem Diaprojektor ablaufen, von all den Orten, die er gesehen, erlebt, liebgewonnen hat. „Sieben Jahre lang war ich verheiratet“, sagt er. „Als wir uns kennenlernten, war ich schon viel am Reisen. Ich konnte es nicht für sie aufgeben. Das hatte ich zuvor schon einmal für ein Mädchen getan, es hat nicht funktioniert. Viele Männer verwenden ihre ganze Energie auf Frauen. Verstehe ich nicht. Mit der Energie kommt man um einen ganzen Kontinent.“

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Zwei Monate halte ich es zuhause aus, dann wachsen mir überall Flügel.

Eric Massiet du Biest

Doch ein Lehrer.

Auch wenn Eric Massiet du Biest nach seinem Studium nie an der Schule unterrichtet hat – Lehrer ist er dennoch geworden. Nur, dass sein Fach für gewöhnlich nicht an Schulen gelehrt wird, und seine Schüler meist gestandene Männer und Frauen sind.
"Ich liebe es, den Leuten etwas beizubringen und wiederum von ihnen zu lernen. Das ist es doch, was meine Mutter wollte. Aber ich habe es eben auf meine Weise getan. Ich bin nicht reich geworden, aber ein Milliardär, wenn es um persönliche Kontakte geht.“
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Fahren, fahren, fahren. Bis zum Horizont, und noch ein Stück weiter. Spirit of GS pur.
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