„Ich sprach mit Bruce.“

Interview mit Dylan Wickrama über seine Reise auf dem Motorrad-Floß.

Abenteurer kennen keine Hindernisse. Nur eines kennen sie ganz genau: das berüchtigte Darién-Hindernis, das Reisenden auf der Panamericana zwischen Panama und Kolumbien zu schaffen macht. Wo im Idealfall ein Flug weiterhilft, baute Dylan Wickrama aus seiner R 1150 GS „Bruce“ ein Floß und überquerte den Pazifik. Im Interview erzählt er von seiner wundersamen Reise und verrät, wie er sie überlebt hat.

Dylan, in Deinem Buch berichtest Du fast ausschließlich von der Floßfahrt über das Darién-Hindernis und nur wenig über die drei Jahre Deiner abenteuerlichen Weltreise. Warum?
Es gibt so viele Bücher über Motorradreisen. Aber mein Erlebnis mit dem Motorrad-Floß war etwas Besonderes. Ich möchte mit meinem Buch eine breite Zielgruppe ansprechen und nicht nur die Motorrad-Community. In dieser Geschichte geht es um viel mehr als nur um Motorräder. In naher Zukunft werde ich auch ein Buch über den Rest der Reise schreiben.
Du hast aus zehn leeren Ölfässern und Deiner GS „Bruce“ ein Floß gebaut, ohne groß über Gefahren nachzudenken. Das klingt lebensmüde.
Im Leben geht es darum, zu leben. Wenn man glücklich damit ist, immer am selben Ort zu arbeiten, ein paar Wochen im Jahr Urlaub am selben Strand zu verbringen und so zu leben, als gäbe es auf der Welt nichts zu entdecken, dann sollte man genau so leben. Aber wenn man Träume hat, dann sollte man ihnen folgen. Und wenn man macht, was nicht machbar erscheint, entdeckt man die wunderbare Welt. Nur dann sieht man Wunder. Und Wunder geben uns das Gefühl, in einem Märchen zu leben. Für mich ist genau das Leben.
Wie ein Märchen liest sich auch Dein Buch über die Floßfahrt über den Pazifik – aber sie ist real. Wie hat sie Dich verändert?
Ich habe Unglaubliches und Unvergessliches erlebt. Als ich von Delfinen gerettet wurde. Als mir Einheimische im Dschungel von Darién halfen. Die Stürme und Gewitter. Das sind keine Geschichten, die man tagtäglich zu hören bekommt. Vor meiner Reise war ich ein Ungläubiger, der Gott verspottete. Heute bin ich davon überzeugt, dass es Gott gibt.
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Gemeinsam mit Deiner R 1150 GS „Bruce“ hast Du viel durchgemacht. Obwohl Bruce eine Maschine ist – schweißt so eine Weltreise zusammen?

Es ist eine ganz besondere Beziehung. Bruce ist zwar nur ein Haufen aus Stahl und Kunststoff und vielen Einzelteilen, aber dieses Motorrad war das einzig Vertraute auf meiner Reise. Ich verbrachte viele Nächte alleine, weit weg von anderen Menschen. Ich weiß nicht mehr genau, wann es losging, aber irgendwann begann ich, mit Bruce zu sprechen. Ich lernte ihn so gut kennen, dass ich sogar mit ihm hinaus aufs Meer ging. Er wird immer ein besonderer Teil meines Lebens sein.

Hätte Deine Reise ohne Dein handwerkliches Geschick, den Einfallsreichtum und Deine Einstellung früher geendet?

Nein. Man muss nicht handwerklich begabt sein, um die Welt zu bereisen. Auch wenn es nützlich ist, wenn man sich selbst helfen kann, sodass man nicht zu lange an einem Ort feststeckt. Reisen ist so einfach geworden. Man findet immer irgendwo Hilfe. Aber eine positive Einstellung sollte man haben. Insbesondere wenn man die eigenen Grenzen austestet, ist es ein absolutes Muss. Optimismus wirkt wie ein Magnet und zieht das Gute in Dein Leben.

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Konntest Du eigentlich die Welt um Dich herum wahrnehmen und bestaunen?

Ja, natürlich. Ich lebe immer im Moment. In diesem Augenblick sticht mich eine Mücke. Ist es nicht ein Wunder, dass eine so winzige Kreatur auf sich aufmerksam machen kann, indem sie mir Unbehagen bereitet? Für mich ist das magisch. Für andere nicht unbedingt. Ein Schlag – und die Sache ist geritzt und vergessen.

Was sind die wichtigsten Zutaten für Glück?

Zufrieden sein mit dem, was man hat. Und glücklich sein über das, was man hat, anstatt unglücklich zu sein, weil man etwas nicht hat. Alles andere ist eine Zugabe, ein Bonus.

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Optimismus wirkt wie ein Magnet und zieht das Gute in Dein Leben.

Dylan Wickrama

Wie definierst Du Zuhause?
Danach habe ich gesucht, als ich um die Welt zog. Ich bin gegangen und mehr als drei Jahre später an meinen Ausgangspunkt zurückgekommen, nur um festzustellen, dass ich mein Zuhause nie verlassen hatte. Es ist in mir drin.
Warum gehen nicht mehr Menschen auf Abenteuerreise?
Der Virus des Abenteuers zieht sich durch die Menschheitsgeschichte. Wir sind auf der Welt umhergezogen, haben Neues entdeckt, Erfahrungen gemacht und gelernt. Irgendwo sind wir dann zu Sammlern geworden. Wir haben so viel gesammelt und einfach aufgehört umherzuziehen. Wir haben uns gesagt: „Das gehört mir und hier bleibe ich.“
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Warum machst Du keinen definitiven Plan, wenn Du reist?
Man kann einen Plan haben, aber es sollte nur eine Idee sein. Beim Reisen sollte es darum gehen, Erfahrungen zu sammeln. Wenn man Pläne hat, ist die Gefahr groß, dass man diese besonderen Erfahrungen verpasst. Als Kind sah ich Fotos von riesigen Mammutbäumen und dachte, wie cool es wäre, sie mal aus der Nähe anzuschauen. Jahre später fuhr ich durch Kalifornien und fand mich plötzlich unter diesen gewaltigen Bäumen wieder. Ohne es zu wissen, war ich an den Ort gekommen, von dem ich schon als Kind geträumt hatte. Ich war so glücklich an diesem Tag und konnte meine Tränen nicht zurückhalten.
Was ist das nächste Abenteuer von Dylan Wickrama?
Ich bin gerade sehr beschäftigt mit meinen Präsentationen, Impulsvorträgen, Buchpromotionen und dem Dokumentarfilmprojekt. Trotzdem habe ich tatsächlich schon eine Idee, was ich tun möchte. Aber das soll vorerst noch mein Geheimnis bleiben.
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Supporte das Filmprojekt von Dylan Wickrama
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