
Die richtige Bremstechnik ist für Motorradfahrer in doppelter Hinsicht von entscheidender Bedeutung; denn erst die zuverlässige Technik der Bremsanlage in Kombination mit den erlernten Fähigkeiten des Fahrers entschärft kritische Fahrsituationen. Weil selbst routinierte Motorradfahrer in plötzlich auftretenden Gefahrensituationen dazu neigen, das Vorderrad zu überbremsen oder das Hinterrad zum Blockieren zu bringen, gehört ein modernes Antiblockiersystem (ABS) zur aktiven Sicherheitsausstattung eines hochwertigen Motorrads. Sämtliche BMW Motorrad Modelle sind daher entweder bereits in der Serienausstattung mit ABS ausgerüstet, oder werden optional ab Werk mit dem BMW Motorrad ABS angeboten. Diese Sicherheitsausstattung macht Anfängern wie auch erfahrenen Piloten das Bremsen bei Nässe, in Gefahrensituationen, mit Sozius und Gepäck - kurzum in jeder Situation - so einfach und sicher wie möglich. Für den Fahrer ist so jederzeit der optimale Bremsweg ohne Sturzrisiko durch ein Blockieren der Räder abrufbar.
Je nach Motorradtyp werden von BMW Motorrad verschiedene ABS-Bremssysteme eingesetzt. Im Segment der Einzylinder-Maschinen bieten die F 650 GS und F 650 GS Dakar optional als einzige ein ABS an. In der K-Reihe und bei den Boxermodellen kommen je nach Modell zwei unterschiedliche Auslegungen des BMW Motorrad Integral ABS zur Anwendung: beim Tourer K 1200 LT ist das ABS mit Voll-Integralfunktion, bei allen anderen Modellen mit Teil-Integralfunktion verbaut. Bei der R 1200 GS und R 1200 GS Adventure sowie der F 650 GS und F 650 GS Dakar ist die ABS-Funktion für den Einsatz auf losem Untergrund abschaltbar. Auch bei der R 1200 S ist das ABS für Rennstreckeneinsätze abschaltbar, weil hier zum Teil extreme Fahrsituationen entstehen können, in denen ein regelndes ABS der Fahrweise hinderlich wäre.
Alle drei Systeme verhindern bei einer Vollbremsung zuverlässig das Blockieren der Räder mittels einer elektronisch gesteuerten Regelhydraulik. Dazu messen Radsensoren die Umdrehungsgeschwindigkeit von Vorder- und Hinterrad und erkennen, wann das Rad zum Blockieren neigt. Die Sensoren leiten den Messimpuls an einen Prozessor weiter, der einen Druckmodulator im hydraulischen Bremskreis des Vorder- bzw. Hinterrads aktiviert. Der angesteuerte Druckmodulator senkt den Bremsdruck in Sekundenbruchteilen ab und baut ihn wieder auf. Somit liegt im Regelbereich des ABS am Bremssystem des entsprechenden Rades pulsierend immer gerade soviel Bremsdruck an wie nötig ist, um das Rad kurz vor der Blockiergrenze zu halten.
Das BMW Motorrad Integral ABS arbeitet in der Version I-ABS I zusammen mit einem Bremskraftverstärker. Eine elektrisch betriebene Hydraulikpumpe unterstützt hierbei den über Bremshebel und -zylinder erzeugten Bremsdruck. Ab Modelljahr 2007 wird sukzessive ein neues, noch feiner regelndes System eingebaut, das ohne Bremskraftverstärker arbeitet (I-ABS II). Beim teilintegralen Bremssystem aktiviert der Fahrer über den Handbremshebel gleichzeitig die Bremsen beider Räder, der Fußbremshebel wirkt allein auf die Hinterradbremse. Das vollintegrale Bremssystem verzögert immer beide Räder, egal ob ausschließlich der Hand- oder Fußbremshebel bedient wird. Beide Systeme bedeuten in Verbindung mit dem ABS einen in Motorradtests häufig beschriebenen, klaren Sicherheitsgewinn gegenüber konventionellen Bremsanlagen. Bei den Boxer-Enduros bleibt die Teilintegral-Funktion auch bei abgeschaltetem ABS erhalten.
Im zentralen Druckmodulator der Integralbremse ist die Steuerelektronik sowie die Hydraulik des Bremskraftverstärkers und des Antiblockiersystems untergebracht. Insgesamt drei Prozessoren sorgen für eine höchstmögliche Sicherheit des Systems. Zwei Mikroprozessoren steuern parallel das Regelsystem, ein dritter dient der Überwachung. Bei jedem Einschalten der Zündung führt das System einen Selbsttest durch, während dessen die ABS-Kontrolllampen im Cockpit blinken. Sie schalten sich automatisch ab, sobald die Drehzahlsensoren ein entsprechendes Signal übermitteln und das System fehlerfrei arbeitet.